Robert A. Heinlein: Reise in die Zukunft

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Laurin
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Robert A. Heinlein: Reise in die Zukunft

Beitrag von Laurin » 26.10.2018, 00:01

Neulich ist mir in der Tauschvitrine unseres Parks ein schon etwas mitgenommenes Taschenbuch von Heinlein in die Hände gefallen, was ich die Tage bei meinen vielen Arztterminen wegen meines operierten Beins immer im Wartezimmer geschmökert habe, Titel: Reise in die Zukunft (Erstausgabe 1964), was mir sehr gut gefallen hat.


Es handelt von einer typisch amerikanischen Familie: Hugh der etwas strenge Vater; Grace die Mutter, die ihren Kummer gerne im Alkohol ertränkt; Karen, die fast erwachsene Tochter die aber noch bei den Eltern lebt; Duke der Sohn, der schon außer Haus ist und Jura studiert hat; und Barbara, die Freundin von Karen - die sich an einem Abend zum Bridgespielen im Haus der Familie zusammen finden. Bedient werden sie von dem Schwarzen Joe.

Es ist die Zeit des kalten Kriegs, und Hugh wird wegen des Atombunkers veralbert, den er sich unter dem Haus gebaut und eingerichtet hat. Das Spiel wird kurz unterbrochen, als es klingelt - es war aber nur ein merkwürdiger verwahrloster alter Mann, der sich anscheinend in der Haustüre geirrt hat - der aber später noch eine bedeutsame Rolle spielen wird. Kurz danach wird die Familienidylle unterbrochen als im Radio tatsächlich Atomalarm gegeben wird. Es gelingt allen gerade noch sich in den Bunker zu flüchten, als tatsächlich der Atomkrieg beginnt und die ersten Atomraketen einschlagen.

Nach dem dritten extrem schweren Einschlag herrscht gespenstische Ruhe, die Temperatur im Bunker steigt und wir erleben klaustrophobische Stunden, in denen die kleine Gruppe ums Überleben kämpft. Als nach vielen Stunden die Sauerstoffvorräte am Ende sind, kämpft sich die eigentlich todgeweihte Gruppe an die Oberfläche - die sich aber radikal verändert hat: Statt in einer Atomwüste befindet man sich in einer Wildnis. Der dritte Einschlag einer Wasserstoffbombe hat den Bunker samt Insassen Jahrtausende in die Zukunft geschleudert.

Hugh, der als Familienpatriarch ein recht diktatorische Regime etabliert hat, versucht unter den neuen Bedingungen das Überleben der kleinen Gruppe zu organisieren. In der Folge wird dieser Überlebenskampf geschildert, es geht dabei auch um die sozialen Spannungen und Konflikte in der Gruppe, um eine anrührende Liebe zwischen Alt und Jung abseits aller damals in der USA üblichen Konventionen, um Geburt und Tod, und dann um eine unerwartete Begegnung, die das Schicksal der kleinen Gruppe erneut dramatisch wendet - und sie tatsächlich mit der Zukunft konfrontiert.

Heinlein gelingt es dabei meisterhaft, dem Leser in einer sehr lebendigen und unterhaltsamen Erzählweise die Protagonisten nahe zu bringen, und man verfolgt atemlos den spannenden Überlebenskampf der kleinen Gruppe, die einem zunehmend ans Herz wächst. Mehrfach kommt es dabei zu überraschenden Wendungen, die schließlich zu einem unerwarteten Schluss führen.


Wer das Büchlein irgendwo noch findet - ich kann diesen Klassiker nur empfehlen. :yes: :yes: :yes:

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Kapaun
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Re: Robert A. Heinlein: Reise in die Zukunft

Beitrag von Kapaun » 30.10.2018, 23:06

Heinlein war auf seine manchmal etwas robuste Art ein durchaus spannender Unterhalter. Und rückblickend betrachtet ermöglicht er heutzutage interessante Einblicke in die Gedankwelt der 50er und 60er Jahre.

Richtig spaßig ist, dass "Stranger in a Strange Land" (aus den frühen 60ern) zu einem Kultbuch der Hippies wurde (ausgerechnet), die daraufhin begannen, sein Haus zu belagern. Er, so will es die Fama wissen, baute daraufhin eine Mauer drumrum. :har:

Falls es nicht stimmt, ist es zumindest gut erfunden ... :-))
"I would challenge you to a battle of wits but I see you are unarmed."
(William Shakespeare)

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